Jolle


eine Jolle ist ein Schwertboot, dessen Konstruktionsschwerpunkt meist über der Wasserlinie liegt. Die Stabilität einer Jolle wird durch den Wasserdruck gewährleistet, der auf die flache Form des Jollenbodens wirkt. Jollen können in Rennjollen oder Wanderjollen unterschieden werden, abhängig vom jeweiligen Verwendungszweck. Im traditionellen Sinne werden diverse Arten kleinerer Segel- und Ruderboote als Jollen bezeichnet.
Da eine Jolle ein Schwertboot ist und der Masseschwerpunkt dadurch, verglichen mit anderen Booten, sehr hoch liegt, ist der Winkel, bei dem sich die Jolle nach einer Kränkung wieder aufrichtet, sehr gering. Die Segler versuchen den Kränkungswinkel durch Gewichtsverlagerung des eigenen Körpers möglichst gering zu halten, um so das Kentern zu vermeiden. Liegt eine Kränkung durch den Wind vor, verlagert die Crew in Luv Ihr Gewicht nach außen. Der Masseschwerpunkt verlagert sich dadurch nach Luv und die Jolle stabilisiert sich wieder. Ist die Krafteinwirkung in Luv zu groß kann die Jolle kentern.
Moderne Fertigungsverfahren und verbesserte Materialien haben dazu geführt, dass aktuelle Jollen, trotz der Kenterungsgefahr, als unsinkbar gelten. Der Auftrieb der Jollen wird in erster Linie durch aufgeschäumte Hohlräume generiert. Um die Gefahr des Sinkens bei einer Beschädigung des Rumpfes auszuschließen gibt es Sicherheitsvorschriften, die eine bestimmte Anzahl fester Schwimmkörper vorsieht, damit sichergestellt ist, dass eine vollgelaufene Jolle inklusive der Mannschaft auf der Wasseroberfläche verbleiben kann.
Es gibt Jollen, die von nur einer Person gesegelt werden, diese Jollen fasst man unter dem Begriff Einhand-Jolle zusammen. Jollen, die in der Regel mit mehr als einer Person gesegelt werden, werden Zweimann-Jollen genannt.

Geschichte

Die Bezeichnung Jolle leitet sich von dem finnischen Wort Jöll ab, was so viel wie ausgehöhlter Trog bedeutet. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Jollen mit dem typischen Spiegelheck, vorher als Spitzgattboote gebaut.


Sport

Jollensegeln erfreut sich besonders in Deutschland großer Beliebtheit. Es gibt kaum einen See von ausreichender Größe, an dem kein Segelverein niedergelassen ist, oder der nicht von unorganisierten Jollenseglern genutzt wird. In der Saison (i.d.R. von März bis Oktober) finden an den Wochenenden zahlreiche Regatten auf den zahlreichen Seen Deutschlands statt.


Jollenklassen

Jollen werden unter einheitlichen Bauvorschriften gefertigt, um Sie bei Regatten direkt vergleichen zu können. Aufgrund der verschiedenen Bauvorschriften haben sich verschiedene Jollenklassen entwickelt. Jollenregatten werden als Klassenregatten ausgetragen. Die Bauvorschriften der verschiedenen Jollenklassen beziehen sich in der Regel auf die Länge des Bootes, die Größe der Segelfläche und die Breite des Bootes. Es kann jedoch auch sein, dass die Länge des Mastes oder die Größe des Schwertes in den Bauvorschriften reglementiert sind. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es in Deutschland überregionale Jollenklassen.